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Das Denkmal

im Heidedorf Schwalingen

Friedrich Wilhelm Klipp * 24.Juni 1896     7.August 1917       Anbauer “Klipp”, Schwalingen No.50 
Schwalingen im Herbst 1915.

Vorgeschichte

Die Häuslingsfamilie Klipp zieht dorthin, wo sie Arbeit und damit Einkommen für ihren Lebensunterhalt findet. Johann Friedrich Klipp wurde 1840 in Lünzen als Sohn des Schneidermeisters Peter Christoph Klipp aus Eimke (Landkreis Uelzen) geboren. Im Jahre 1863, mit 23 Jahren, heiratet er Catharina Margarethe Elisabeth Gathmann aus Ilhorn. Ihre ersten beiden Kinder werden in Hemslingen geboren. Dann lebt die Familie für einige Jahre in Johann Friedrich Klipps Geburtsdorf Lünzen. Hier kommen  1866 und 1868 2 Mädchen und im September des Jahres 1870 Jürgen Peter Christoph Klipp zur Welt. 1876 lebt die Familie Klipp in Hasselhoff bei Schneverdingen, wo eine weitere Tochter geboren wird. Dann folgt Tochter Emma. 5 Jahre später, im Januar 1881, wird Johann Christoph Heinrich Klipp in Schülern geboren. Zu Beginn der 1890er Jahre bekommt die Häuslingsfamilie Klipp Arbeit in Schwalingen, auf dem Halbhof "Schmeers" zu Schwalingen No.30 bei Halbhöfner Diedrich Heinrich Christoph Böhling. Sie beziehen eines der beiden Häuslingshäuser an der nördlichen Grenze des "Schmeers-Hofes". Im Juni 1896 bringt Johann Friedrich Klipps unverehelichte Tochter Emma bei ihrer Familie im Häuslingshaus auf dem "Schmeers-Hof" einen Sohn zur Welt, Friedrich Wilhelm. Halbhöfner Dietrich Heinrich Christoph Böhling stirbt mit 51 Jahren im Mai 1901. Seine Witwe Anna Maria, geborene Lünsmann aus Brochdorf, löst 2 1/2 Jahre später, im Dezember 1903, mit Zustimmung der Vormünder ihrer Kinder den Halbhof "Schmeers" auf. Haus und Hof, der umfangreiche Grundbesitz und das gesamte Inventur werden verkauft. Sie zieht mit ihren beiden Kindern zu ihrer Familie nach Brochdorf. Jürgen Peter Christoph Klipp *1870, der älteste Sohn von Häusling Johann Friedrich Klipp, verdient als Handelsmann sein Einkommen. Er erwirbt im Dezember 1903 das Häuslingshaus des "Schmeers-Hofes", in dem seine Familie seit Jahren lebt - und gründet hier eine Anbauerstelle, Schwalingen No.50. Im April des folgenden Jahres 1904 heiratet er die Schwalinger Häuslingstochter Anna Auguste Möhrmann *1881.

Im Krieg

Als im August 1914 der Krieg ausbricht, ist Friedrich Wilhelm Klipp, der Neffe von Anbauer Jürgen Peter Christoph Klipp und Sohn von dessen Schwester Emma Klipp, 18 Jahre alt. Er hat den Beruf des Maurers erlernt. Vielleicht war Heinrich Christoph Lünsmann sein Lehrmeister, der Maurermeister und Neubauer vom nachbarlichen "Ramaker-Hof", Schwalingen No.28. Am 3.August 1914 erfährt Friedrich Wilhelm Klipp aus der "Böhme-Zeitung", dass Kaiser Wilhelm II. die Mobilisierung des Heeres und der Marine befohlen hat. Alle Wehrdienstpflichtigen werden aufgefordert, sich innerhalb weniger Tage in die Landsturmrolle beim Gemeindevorsteher ihres Dorfes eintragen zu lassen: Das Deutsche Kaiserreich hat als Verbündeter des Kaiserreiches Österreich dem Kaiserreich Russland und dem Kaiserreich Frankreich  den Krieg erklärt. Es ist spät im Herbst des Jahres 1915, als Friedrich Wilhelm Klipp seinen Gestellungsbefehl zum Deutschen Heer erhält. Die Hoffnungen der Deutschen Heersleitung auf einen schnellen Sieg über die Gegner Russland, Frankreich und England sind längst aufgegeben. An der Ostfront und besonders an der West-front liegen sich die gegnerischen Heeres im zermürbenden Stellungskrieg gegenüber. Die gegenseitigen Versuche, die Frontlinien zu durchbrechen, scheitern immer wieder unter hohen Verlusten an Menschenleben und Material. Immer mehr Männer werden an die Front geschickt, um die gefallenen, verwun-deten oder in Gefangenschaft geratenen Soldaten zu ersetzen. Am 23.November 1915 rückt Friedrich Wilhelm Klipp ein. Als Handwerker ist er den Pionieren des Heeres zugeteilt und wird in den nächsten 3 Monaten militärisch ausgebildet. Im April 1916 ist seine Ausbildung beendet. Er wird als Pionier zur 2.Kompagnie des Minenwerfer-Bataillon I versetzt, seine neue Einheit. Ihr Einsatzgebiet ist die Westfront. Seit Beginn des Stellungskrieges Ende 1914 hat die Minenwerfer-Waffe stark an Bedeutung für das Deutsche Heer gewonnen. Ab Frühjahr 1915 stellt die Deutsche Heeresleitung daher zahlreiche neue Minenwerfer-Einheiten auf. Im Einsatz werden die Minenwerfer der Pioniereinheiten nahe der vordersten Frontlinie in Stellung gebracht und unterstützen die aus den Schützengräben heraus angreifende Infanterie. Sobald das Vorbereitungsfeuer der Artillerie auf die gegnerischen Stellungen weiter vorverlegt werden muss, um den Infante-risten den Angriff zu ermöglichen ohne ins eigene Feuer zu geraten, übernehmen es die Minenwerfer, im Steilfeuer über die angreifende Infanterie hinweg gezielt gegenerische Maschinengewehr-, Grabenstellungen und restliche Stacheldraht- verhaue mit ihren Minen zu beschießen. Der wirkungsvolle Einsatz der Minen- werfer bei Infanterie-Angriffen macht allerdings ihre Stellungen zu wichtigen und vorrangigen Zielen der gegenerischen Minerwerfer und Artillerie. Ende April 1916 trifft Friedrich Wilhelm Klipp, 19 Jahre alt, bei seiner Einheit, der 2.Kompagnie des Minenwerfer-Bataillons I ein. Ab Mai nimmt sie an der “Schlacht bei Verdun” teil. In den nächsten zwei Monaten kämpfen sich die deutschen Truppen unter hohen Verlusten durch das stark befestigte, bergige Gelände, das durch französische Sperrforts und Festungen gesichert ist. Das Minenwerfer-Bataillon I rückt Anfang Juli 1916 am Nordhang des Berges Fumin unterhalb des Forts Vaux vor. Die Splitter einer explodierenden Artilleriegranate verwunden hier Friedrich Wilhelm Klipp am 5.Juli 1916. Mit Verletzungen des rechten Unterschenkels wird er am Verbandsplatz Bezonvaux hinter der deutschen Front aufgenommen. Anfang Oktober 1916 ist Friedrich Wilhelm Klipp von seiner Verwundung genesen. Er kehrt zu seiner Einheit, der 2.Kompagnie des Minenwerfer-Bataillons I zurück. Seit Juli 1916 tobt die “Schlacht an der Somme”, die verlustreichste Schlacht des 1.Weltkrieges. 4 1/2 Monate lang, bis Mitte November 1916, versuchen die französischen/englischen Armeen, die deutsche Frontlinie unter Aufbietung aller Kräfte zu durchbrechen. Es gelingt ihnen lediglich, sie bei Albert wenige Kilometer Richtung Baupaume zurückzudrängen. Friedrich Wilhelm Klipp überlebt die "Schlacht an der Somme". Nach dem Ende der Schlacht wird seine Einheit in Stellungskämpfen an der Somme eingesetzt, dann Ende November 1916 nach Westen, an die Front nach Flandern verlegt. Am 16.Dezember 1916 verwunden hier die Splitter einer Artilleriegranate Friedrich Wilhelm Klipp zum zweiten Mal. Mit Verletzungen des linken Ober- schenkels wird er am Verbandsplatz Bierzhof aufgenommen.  Seine Genesung dauert bis Ende April 1917. Am 4.Mai 1917 rückt Friedrich Wilhelm Klipp erneut ins Feld. Er ist einer anderen Einheit zugeteilt: Der 3.Kompagnie des Minenwerfer-Bataillons II. Sie steht in der "Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne". Der französische Angreifer kann unter hohen Verlusten auf beiden Seiten bis zur Einstellung der Kämpfe Ende Mai 1917 kaum Geländegewinne erreichen. Friedrich Wilhelm Klipp überlebt. Dann, Ende Juni 1917, wird das Minenwerfer-Bataillon II mit Friedrich  Wilhelm Klipp nach West-Flandern verlegt, an die Front bei Lombartzyde an der Mündung des Flusses Yser in den Ärmel-Kanal. Die Deutsche Heeresleitung befürchtet einen weiteren Durchbruchversuch des englischen Gegners durch die deutsche Frontlinie, die hier entlang der Yser verläuft und führt Verstärkung heran. Unmittelbar an der Mündung der Yser bei Nieuport haben die englischen Truppen auf der Nordseite des Flusses einen Brückenkopf in Besitz. Friedrich  Wilhelm Klipp und das Minenwerfer-Bataillon II unterstützen die deutsche Marine-Infanterie Mitte Juli 1917 bei der Erstürmung und Rückeroberung dieses englischen Brückenkopfes nördlich der Yser. Wenig später, Ende Juli 1917 eröffnet das englische Heer die "Dritte Flandern- Schlacht" mit tagelang anhaltendem Artilleriebeschuss der deutschen Stellungen. Friedrich Wilhelm Klipp ist in der 3.Kompagnie des Minenwerfer-Bataillons II zur Sicherung der deutschen Frontlinie an der Yser bei Lombartzyde eingesetzt. Am frühen Morgen des 7.August 1917, um 4 Uhr, wird die Minenwerfer-Stellung, in der Pionier Friedrich Wilhelm Klipp im Einsatz ist,  durch einen Artillerie- Volltreffer ausgelöscht. Er wurde 21 Jahre alt.  Die Kameraden begraben Friedrich Wilhelm Klipp 3 Tage später, am 10.August 1918 auf dem neuen Friedhof in Ostende - sein Grab erhält die Nummer 982. Ab 1956 werden die kleineren und abgelegenen Friedhöfe im nördlichen Teil von West-Flandern aufgelöst und die  dort bestatteten Toten auf den Soldaten- friedhof Vladslo bei Dixmuide umgebettet.  Der Friedhof wurde während des 1.Weltkrieges von deutschen Soldaten angelegt. Unter den 25.645 Gefallen des 1.Weltkrieges, die auf dem Soldatenfriedhof Vladslo ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, ist auch Friedrich *1896 +1917. Sein Name steht auf der Granitplatte des Grabes Nummer 1736 in Block 3.
Das Häuslingshaus des Halbhofes “Schmeers” um 1900, die spätere Anbauerstelle “Klipp”, Schwalingen No.50
Am Berg Fumin in der Schlacht bei Verdun, Juli 1917
Bezonvaux, Sommer 1916
Deutsche Verlustliste,  August 1916
Deutsche Verlustliste,  Januar 1917 Mitte Juli 1917
Deutsche Verlustliste,  September 1917
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