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Das Denkmal

im Heidedorf Schwalingen

Heinrich Wilhelm Tödter * 13.August 1891     23.September 1916       Anbauerstelle, Schwalingen No.38 (alt) 
Schwalingen im Herbst 1914.

Vorgeschichte

Heinrich Wilhelm Tödter hat  zwei Geschwister, als er am 13.August 1891 in Limbeck bei Gilmerdingen zur Welt kommt, Minna, 5 Jahre alt und den einjährigen Friedrich. Sein Vater Heinrich Friedrich Tödter ist als landwirt- schaftlicher Knecht tätig. Seine Mutter Anna Catharina stammt aus dem "Bääk- Hus" zu Schwalingen No.48 und ist die älteste Tochter der Häuslingsfamilie von Peter Christoph Böhling und Dorothea Anna Maria, geborene Gebers vom Vollhof "Kain" zu Schwalingen No.31. In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts lebt die Häuslingsfamilie in Kempen. 1907 zieht die Familie Tödter weiter nach Schwalingen: Heinrich Friedrich Tödter wird erst Häusling, dann Pächter auf dem Vollhof "Kain" zu Schwalingen No.31 - der Hof, von dem seine Schwiegermutter stammt. Wenige Jahre später, um 1914, kann sich die Familie weiter verbessern: Die Anbauer-stelle Schwalingen No.38, zwischen dem Brinkköthner "Menken" No.39 und dem Neubauer "Hanßen" No.40 gelegen, steht zur Neuverpachtung und die Familie Tödter nutzt diese Gelegenheit. Die beiden Kinder Minna und Heinrich Wilhelm Tödter gehen ihre eigenen Wege. Minna Tödter hat bereits im Jahre 1905 den Schwalinger Viehhändler Gustav Möhrmann geheiratet. Sie leben seit dem Neubau der Schwalinger Schule im Jahre 1913 in dem ehemaligen Schulgebäude Schwalingen No.19, das nach dem Beruf von Gustav Möhrmann von den Schwalingern  "Schlachter-Hus" genannt wird. Und Heinrich Wilhelm Tödter heiratet im Mai 1912 Erna Frieda Röhrs, die Tochter des Anbauern Hinrich Friedrich Christoph Röhrs und seiner Ehefrau Marie Sophie Dorothea, geborene Niemeyer, zu Schwalingen No.37, "Brüch-Hus" - die Eltern und Schwiegereltern von Heinrich Wilhelm Tödter und seiner Ehefrau sind also Nachbarn. Heinrich Wilhelm Tödter verdient als landwirtschaftlicher Knecht den Lebensunterhalt für seine Familie, seine Ehefrau und die beiden  Kinder, Erna Mariechen, geboren im September 1912 und Minna Dora, im Juni 1914 geboren. Ihre Wohnung haben sie in dem Geschäftshaus des Tischlers August Gebers genommen, "Discher-Hus" zu Schwalingen No.60. 2 Wochen vor dem 24.Geburtstag von Heinrich Wilhelm Tödter befiehlt Kaiser Wilhelm II. am 1.August 1914 die Mobilmachung des deutschen Heeres und der Marine. Alle Wehrdienstpflichtigen haben sich unverzüglich bei den Behörden zu melden: Das Deutsche Kaiserreich befindet sich als Verbündeter des Kaisserreichs Österreich-Ungarn im Krieg mit dem Kaiserreich Russland, dem Kaiserreich Frankreich und wenige Tage später auch mit dem Königreich England.

Im Krieg

Im Herbst 1914 erhält Heinrich Wilhelm Tödter von den preußischen Militärbehörden den Gestellungsbefehl zum Kriegsdienst. Nach 3 Monaten ist seine Ausbildung abgeschlossen, er ist nun frontdienstfähig. Ende Dezember 1914 wird er zum Fronteinsatz kommandiert,  an die Westfront, nach Belgisch-Flandern. Von Januar bis Ende April 1915 nimmt er an Stellungsgefechten in den Schützengräben bei Paschendaele teil. Er überlebt die folgende "Zweite Schlacht um Ypern", in der erstmals Giftgas als Kampfmittel eingesetzt wird.

Frühjahr 1915 bis Frühjahr 1916

Im Frühjahr und Sommer 1915 ist Heinrich Wilhelm Tödter in Französisch-

Flandern in den Schützengräben der Front bei La Bassée eingesetzt. Im Juli 1915 

wird er nach Kampfhandlungen als “vermißt” gemeldet - findet sich dann aber

unverletzt bei der 5.Kompagnie des Landwehr-Infanterie-Regimentes Nr.78 ein.

Im September und Oktober 1915 überlebt er die verlustreiche "Herbstschlacht bei

La Bassée und Arras" im Artois.

Während an der Front weiter südlich die deutschen Armeen im Februar 1916 die “Schlacht bei Verdun” eröffnen, bleibt Heinrich Wilhelm Tödter auch in den folgenden Monaten in diesem Frontabschnitt im Artois im Stellungskrieg. Am 27.April 1916 wird er hier durch einen Streifschuss  am Kopf leicht verwundet. Er bleibt aber bei seiner Kompagnie an der Front. Anfang Mai 1916 hat sich seine Verwundung soweit verschlechtert, dass er dem Feldlazarett der 111.Infanterie- Division überwiesen werden muss. Hier heilt seine Verwundung aus - am 19.Juni 1916 ist er wieder felddienstfähig und kehrt zu seiner Kompagnie zurück. In aller Eile reagiert die deutsche Heeresleitung auf den Einbruch der russischen Armeen Anfang Juni 1916 an der Ostfront, die “Brussilow-Offensive”. Deutsche Einheiten werden zur Unterstützung des österreich-ungarischen Heeres umgruppiert. Und trotz der angespannten Lage an der Westfront werden Einheiten von dort an die Ostfront verlegt, Reserven herangeholt und zu neuen Regimentern und Divisionen für den Abwehrkampf zusammengestellt. Nahezu zeitgleich, Ende Juni 1916, eröffnet das englische Expeditionskorps, unterstützt durch französische Truppen, an der Westfront mit einem enormen Aufgebot an Soldaten, Waffen und Material die "Schlacht an der Somme". Die Stellungen der deutschen Verteidiger bei Albert werden überrannt: Die Front muss im weiteren Verlauf der Offensive bis nach Péronne und Bapaume zurückverlegt werden. Die deutsche Heeresleitung befiehlt die Mobilisierung aller Reserven und Umgruppierungen, um den Vormarsch der englischen/französischen Truppen anzuhalten. Die deutschen Angriffe bei Verdun werden eingestellt. Verstär-kungen werden herangeholt, selbst abgekämpfte Divisionen werden aus ihren eben erreichten Ruhestellungen hinter der Front wieder in den Kampf befohlen. Den kämpfenden Divisionen wird befohlen, Einheiten abzugeben, um die Aufstellung neuer Regimenter zu ermöglichen, die mit frisch eingetroffenen Ersatz- Reservisten aufgefüllt und an die Front geworfen werden.

Sommer 1916

Zu den neu aufgestellten Regimentern gehört auch das Infanterie-Regiment Nr.393. Es wird am 12.September 1916 bei Cambrai, südöstlich von Arras, aus abgezogenen Kompagnien anderer Regimenter gebildet. Auch das Landwehr- Infanterie-Regiment Nr.78 hat dazu eine Kompagnie abzugeben: Die 5.Kompagnie mit dem Musketier Heinrich Wilhelm Tödter aus Schwalingen - sie wird die 5.Kompagnie dieses neuen Regimentes Nr.393. Das Regiment wird der 7.Infanterie-Division unterstellt. Eine Woche später, am 19.September 1916, marschiert das gerade neu aufgestellte Infanterie-Regiment Nr.393 mit Heinrich Wilhelm Tödter in der 7.Infanterie-Division an die Front bei Courcelette, an der Chaussee zwischen Albert und Bapaume. Es löst hier die erschöpfte 45.Reserve-Division im Abwehr- kampf gegen kanadischen Einheiten der weit überlegenen englischen/ französi- schen Angriffstruppen ab, die auch von Fliegern und Tanks unterstützt werden. Zwei Tage steht Heinrich Wilhelm Tödter im Kampf an dieser hart bedrängten Front bei Thiepval nahe Courcelette, einem Schwerpunkt der anhaltenden englisch/französischen Angriffe - am 21.September 1916 wird er durch eine explodierende Artilleriegranate schwer verwundet, er verliert beide Unterschenkel. Er kann aus der Fronststellung geborgen werden und wird in das Reserve-Feld- Lazarett Nr.63 der 2.Garde-Reserve-Division überwiesen. Hier stirbt der Musketier Heinrich Wilhelm Tödter zwei Tage später, am frühen Abend des 23.September 1916, an den Folgen seiner schweren Verwundung. Er wurde 27 Jahre alt. Heinrich Wilhelm Tödter wird von seinen Kameraden auf dem Gemeindefriedhof des Dorfes Morschies beerdigt, an der Chaussee zwischen Bapaume und Cambrai, Grab-Nr.15.

Nachgeschichte

Als Erna Frieda, geborene Röhrs, die Nachricht vom Tod Ihres Ehemanns Heinrich Wilhelm Tödter zu ihrer seit 1912 verwitweten Mutter Marie ins "Brüch- Hus" trägt, ist es der zweite Verlust, den die Familie Röhrs in diesem Krieg erleidet - nun ist auch der Schwiegersohn gefallen. Schon im Dezember des Vorjahres 1915 ist der älteste Sohn Hinrich Friedrich Wilhelm Röhrs an der Ostfront gefallen (siehe sein Schicksal... mehr...). Und im April 1918 trifft die Familie Röhrs im "Brüch-Hus" weiteres Leid - der drittälteste Sohn Friedrich Wilhelm fällt an der Westfront an der Somme (siehe sein Schicksal... mehr...), nicht weit von dem Frontabschnitt entfernt, in dem Heinrich Wilhelm Tödter im September 1916 schwer verwundet wurde und dann starb. Nach dem Ersten Weltkrieg, 1923, wird Heinrich Wilhelm Tödter vom Gemeindefriedhof in Morschies umgebettet. Sein Grab ist heute auf der Kriegsgräberstätte in Neuville-St.Vaast, nördlich von Arras, zu finden - Block 17, Grab Nr.589.
Deutsche Verlustliste Oktober 1916
Die Anbauerstelle zu Schwalingen No.38, um 1900 (untergegangen)
Deutsche Verlustliste November 1916
Deutscher Heeresbericht 23.September 1916
Deutsche Verlustliste Mai 1916
Deutsche Verlustliste Mai 1916
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