2016
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Das Denkmal  im Heidedorf Schwalingen
Karl Heinrich von Fintel * 15.4.1897      27.7.1918       Neubauer “Schoster”, Schwalingen No.1
Schwalingen, im Frühjahr 1918. Mit jeder Nachricht über den Kriegsverlauf an der Westfront gehen die Gedanken der Familie von Fintel auf der Neubauerstelle "Schoster" zu Schwalingen No.1 auch an  ihre Söhne und Brüder Otto und Karl, die dort als Soldaten ihren Dienst verrichten (siehe Hofgeschichte “Schoster”... mehr...)  Im vierten Kriegsjahr bewegt die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende die Menschen auch in Schwalingen. Die wechselnden großen Ereignisse, die in den Nachrichten der Zeitungen berichtet werden, geben Anlass zu Bangen vor einer Niederlage aber auch zur Hoffnung auf den Frieden - und damit auf ein Ende des Leidens, der Entbehrungen, der Opfer an der Front und in der Heimat. Im Dezember 1917 sind die Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg gegen das Deutsche Reich eingetreten und verstärken mit ihren frischen Truppen und Waffen die englisch-französischen Kriegsgegner. Dann macht die Russische Revolution und der Zusammenbruch der Armeen des Zaren am 3.März 1918 den Frieden von Brest-Litowsk möglich. Damit kann die deutsche Heeresleitung die bislang an der Ostfront gebundenen Truppen zur Verstärkung an die Westfront verlegen und so das Kräfteverhältnis dort nun nahezu ausgleichen. In einer Frühjahrsoffensive 1918 an der Westfront plant die deutsche Heeresleitung unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte so nachhaltige Erfolge zu erringen, dass die Kriegsgegner an den Verhandlungstisch gezwungen werden können. Die 19.Reserve-Division ist unter den Divisionen, die für die "Große Schlacht in Frankreich" bereitgestellt werden. Zu ihrem Verband gehört auch das Reserve-Infanterie-Regiment Nr.73, in dem Karl Heinrich von Fintel aus Schwalingen als Musketier in der 9.Kompagnie dient. Er ist 21 Jahre alt und unverheiratet. Im ersten Ansturm, die "Operation Michael", gelingt es den deutschen Armeen Ende März 1918 die französisch-englische Front auf einer Breite von 100 Kilometer zu durchbrechen. Beinahe 90 Kilometer tief dringen die deutschen Armeen in das feindliche Gebiet hinter der Front ein. Paris liegt schon innerhalb der Reichweite der deutschen Fernartillerie. Dann, Anfang April, erlahmen hier die Kräfte des deutschen Angriffs, der Vormarsch kommt zum Stehen. Bei der Verteidigung der erreichten Frontlinie fällt Anfang Juni 1918 Karl Heinrich von Fintels jüngerer Bruder Otto  (siehe sein Schicksal... mehr...). Die deutsche Heeresleitung befiehlt weitere Angriffe an der Westfront, trotz der großen Verluste der "Operation Michael" und des mit amerikanischer Hilfe erstarkenden französisch/englischen Gegners. Die Operationen "Georgette" und "Blücher" folgen und schließlich, im Juli 1918, die Operation "Marneschutz- Reims". Zur "Operation Marneschutz-Reims" in der Champagne/Frankreich bei Reims wird auch die 19.Reserve-Division mit dem Reserve-Infanterie-Regiment Nr.73 und dem Musketier Karl Heinrich von Fintel eingeteilt. Sie ist durch vorangegangene Kämpfe an der belgischen Front so stark geschwächt, dass sie nur noch zu defensiven Aufgaben einsetzt werden kann. Sie nimmt daher nicht am Angriff der "Operation Marneschutz-Reims" teil, sondern erhält einen Frontabschnitt östlich von Reims, in den Bergen von Moronvilliers,  zur Verteidigung zugeteilt. Mit einer gewaltigen Artillerievorbereitung beginnt das deutsche Heer am 15.Juli 1918 die "Operation Marneschutz-Reims". Bis zum 18.Juli 1918 dringen die deutschen Truppen unter größten Opfern westlich von Reims bis über die Marne vor. Wieder liegt Paris innerhalb der Reichweite deutscher Fernartillerie. Dann fehlen die Kräfte für das weitere Vordringen. Schon wenige Tage später beginnen die französischen Gegenangriffe gegen die langen Flanken der in der "Operation Marneschutz-Reims" von den deutschen Truppen unter hohen Verlusten errungenen Ausbuchtung der Westfront bei Reims. Die erschöpften deutschen Divisionen müssen sich wieder hinter die Marne zurückziehen. Die französischen Gegenangriffe richten sich auch gegen den Frontabschnitt  östlich von Reims, gegen die Stellungen der 19.Reserve-Divison mit dem Reserve- Infanterie-Regiment Nr.73 und Karl Heinrich von Fintel. Am 27.Juli 1918 kämpft der Musketier Karl Heinrich von Fintel mit seinen Kameraden der 9.Kompagnie an der vordersten Front in den Bergen von Moronvillier, am Mont sans Nom, um die drückenden französischen Angriffe abzuwehren. Am Abend dieses Tages wird er als vermisst gemeldet. Auch in den folgenden Tagen und Wochen kehrt Karl Heinrich von Fintel nicht zu seiner Einheit zurück. Mehr als 3 Jahre später, zwischen Weihnachten und Sylvester 1921, wird in der Familie von Fintel auf der Neubauerstelle "Schoster" zu Schwalingen No.1 eine bange Befürchtung zur Gewissheit. Der Postbote bringt ein amtliches Schreiben. Darin wird mitgeteilt, dass der Musketier Karl Heinrich von Fintel am 27.Juli 1918 vormittags um 04:30Uhr vor Reims gefallen ist.  Zwei Söhne und Brüder der Familie von Fintel wurden in den Krieg befohlen und kehrten nicht zurück. Beide starben an der Westfront im Sommer 1918 innerhalb von 6 Wochen.
Die Eltern von Karl Heinrich von Fintel um 1900 auf ihrer Neubauerstelle “Schoster” zu Schwalingen - Mutter Anna Catharina Marie Ilse, geborene Garbers aus Schülern *1864 und Vater Schuhmacher Hinrich Christoph von Fintel *1859, geboren Auf dem Wiehe bei Wolterdingen.
Die Westfront bei Reims im Juli 1918
Der Mont sans Nom in den Bergen von Moronvillier im Jahre 1918. 4 Jahre lang verlief hier die deutsche Frontlinie
Deutsche Verlustliste, September 1918
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