Verwundet
Am 17.Oktober 1941 wurde ich verwundet. Das war nach einem Angriff bei Lytschkowa
(Erstürmung des Dorfes Bjely Bor am 17.10.1941 durch das Infanterie-Regiment 46, südlich von
Lytschkowo). Wir hatten keine Verbindung mehr mit der Nachbar-Kompanie. Ich war ja
Melder und sollte nachsehen, ob ich die Nachbar-Kompanie finden kann, die 11., wie waren
die 10.Kompanie. Na, ich hab‘ dann auch von weitem deutsche Uniformen gesehen und
gerufen, wer sie sind. Ah, die 11., na gut. Ich hatte meinen Auftrag erfüllt und kehrte um. Ich
musste noch über einen kleinen Hügel, dann wäre ich in Sicherheit gewesen. Da kriegte ich
von hinten einen Durchschuss in die linke Schulter. Viel Blut hab‘ ich verloren. Es lief mir
am Körper runter bis in die Stiefel. Eine Hauptschlagader im Oberarm war getroffen
worden. Das ist ein Scharfschütze gewesen, der mir einen verpasst hat. Die Russen hatten
sich nach dem Angriff zurückgezogen, aber ihre Scharfschützen waren dageblieben.
Da war noch einer getroffen worden, ein Offizier, der seine Panzerabwehr-Geschütze in
Stellung bringen wollte. Wir sind zusammen in Deckung, in ein „Russenloch“, so ein
großes Schützenloch rein und haben unsere Leute laut gerufen, nach Sanitätern. Weit
waren wir ja nicht weg von unseren Stellungen. Ich bin dann bewusstlos geworden von
dem vielen Blutverlust. Als ich wieder wach wurde, waren die am Verbinden, ein
Unteroffizier dabei.
Der Schuss war durch das Schulterblatt reingegangen und der Ausschuss war vorn in der
Brust hier, nur eine Handbreit über’m Herzen. In dem Unglück hab‘ ich noch ’ne Masse
Glück gehabt, ja.
Ich hab‘ dann zugesehen, dass ich weiter zurückkam, nach hinten. Da war noch einer von
unserer Kompanie verwundet, der hatte am Bein 'was abgekriegt. Der hat sich dann bei mir
abgestützt, bis wir beim Verbandsplatz angekommen sind. Von da haben wir uns dann
langsam weiter zurückgearbeitet. Du musst ja zusehen, dass Du allein weiterkommst, da
hilft Dir keiner, ne.
Weiter hoch war ein Holzschuppen, da kamen die ganzen Verwundeten rein. Das
Gejammer hättest Du 'mal hören sollen: “Oh, schieß mich tot, schieß mich doch tot!“ Wir
sind gleich weg und weiter zurückgegangen. Ich kam dann kurz in ein Lazarett da und von
da, die Russen hatten damals schon diese Traktoren, die hatten wir erbeutet, es lag ja schon
Schnee, damit haben wir uns weiter geholfen, nach hinten zu kommen.
Keine zehn Kilometer hinter der Front, da war eine ganz andere Welt. Was hatten die da für
ein Leben! So richtig mit Musik und Vergnügen. Die waren am Kartenspielen! Nicht zu
glauben war das. Wir da vorn, wenn der Küchenwagen Verpflegung brachte, dann mussten
wir mit dem Kochgeschirr das Essen abholen. Der kam ja nicht dicht an die Stellungen, an
die Front rangefahren, ne, war zu gefährlich. Wir mussten hinlaufen, die Essenholer, und
dann mit so fünf, sechs Kochgeschirren in jeder Hand wieder zurück zu den Kameraden
vorne. Manchmal sogar unter Beschuss, ja.
In Dünaburg sind wir dann in Flieger verladen worden und nach Deutschland
zurückgeflogen. Schon in Dünaburg haben sie gesagt, ich soll nicht unterwegs irgendwo
eingeliefert werden, sondern gleich nach Berlin gebracht werden. War wohl doch etwas
komplizierter mit mir.
Die Tragflächen von der JU52 die klapperten ganz fürchterlich. Ich hatte das ganz gut, zu
mir hatten sie gesagt: „Nicht so viel essen vorm Fliegen.“ Die Liegenden auf den Tragen
kamen in den großen Rumpf. Und ich kam nach hinten mit zwei Mann. Da lagen Ketten
und so. Da haben wir auf Kisten gesessen. Links von uns war der Bordschütze, der hat auch
da hinten gesessen.
So sind wir über Lettland, Litauen, Ostpreußen geflogen und dann in Rastenburg gelandet.
Wo damals die „Wolfsschanze“ war, das geheime Hauptquartier von Hitler. Da bin ich so
acht oder vierzehn Tage gewesen und dann weiter nach Königsberg. Nach Berlin bin ich
doch nicht gekommen. „Ausnahmen werden nicht gemacht“, kriegte ich gesagt.