Im Krieg 1918

Wieder an der Westfront.

Im Dezember 1917 treten die Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg gegen das Deutsche Reich ein und verstärken mit ihren frischen Truppen und Waffen die englisch-französischen Kriegsgegner. Dann macht die Russische Revolution und der Zusammenbruch der Armeen des Zaren am 3.März 1918 den Frieden von Brest-Litowsk möglich. Damit kann die deutsche Heeresleitung die bislang an der Ostfront gebundenen Truppen zur Verstärkung an die Westfront verlegen und so das Kräfteverhältnis dort nun nahezu ausgleichen. In einer Frühjahrsoffensive 1918 an der Westfront plant die deutsche Heeresleitung unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte so nachhaltige Erfolge zu erringen, dass die Kriegsgegner an den Verhandlungstisch gezwungen werden können - die "Große Schlacht in Frankreich". Im ersten Ansturm, die "Operation Michael", gelingt es den deutschen Armeen Ende März 1918 westlich von Cambrai und St.Quentin die französisch-englische Front auf einer Breite von 100 Kilometer zu durchbrechen. Beinahe 90 Kilometer tief dringen die deutschen Armeen in das feindliche Gebiet hinter der Front ein. Paris liegt schon innerhalb der Reichweite der deutschen Fernartillerie. Dann, Anfang April, erlahmen hier die Kräfte des deutschen Angriffs, der Vormarsch kommt zum Stehen. Heinrich Christoph Otto Steinke ist im Frühjahr 1918 von seiner 2.Verwundung genesen und wieder "KV - kriegsverwendungsfähig". Befehlsgemäß meldet er sich bei seinem Ersatzbataillon in Celle zu seiner weiteren Verwendung. Er ist 36 Jahre alt. Schon bald darauf hält Heinrich Christoph Otto Steinke seinen Marschbefehl an die Front in den Händen. Er ist der 2.Kompagnie des Infanterie-Regimentes "Hamburg" (2.Hanseatisches) Nr.76 in der 111.Infanterie-Division zugeteilt. Das Infanterie-Regiment Nr.76 war in der 111.Infanterie-Division während der verlustreichen "Operation Michael" in einem Frontabschnitt  westlich von Cambrai, zwischen Arras und Bapaume eingesetzt. Nun, im April 1918, verteidigt es die beim Vormarsch erkämpfte Frontlinie in seinen Stellungen bei Bucquoy, westlich von Bapaume. Hier werden auch die während der Schlacht eingetretenen Verluste an Material und Soldaten aufgefüllt. Mit den Ersatz-Mannschaften trifft auch der Gemeine Heinrich Christoph Otto Steinke beim Infanterie-Regiments Nr.76 ein. Bis in die Sommermonate 1918 steht das Infanterie-Regiment Nr.76 in Stellungskämpfen mit dem englischen Gegner in seinem Frontabschnitt bei Bucquoy/Achiet le Grand. Heinrich Christoph Otto Steinke wird während dieser Zeit als Maschinengewehrschütze ausgebildet und auch als Sanitäter. Im Juni 1918 feiert Hinrich Christoph Otto Steinke hier seinen 37.Geburtstag. Am 12.August 1918 beginnt mit einem massiven Aufgebot an Truppen, Artillerie und Panzern der Gegenangriff des französisch/englischen/ amerika- nischen Gegners entlang der Westfront. Die deutsche Frontlinie kann von den Regimentern nicht gehalten werden, sie weichen zurück. Im Infanterie-Regiment Nr.76 fällt dem 1.Bataillon mit Heinrich Christoph Otto Steinke die Aufgabe zu, den Rückzug aus den Stellungen gegen den übermächtig angreifenden engli-schen Gegner zu decken. Für die hierbei errungenen Verdienste wird Heinrich Christoph Otto Steinke mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Die "Große Schlacht in Frankreich" hat nicht den von der deutschen Heeresleitung gewünschten Erfolg. Und die Angriffskraft des deutschen Heeres ist nach der Schlacht materiell und moralisch gänzlich verbraucht. Die verblie-benen Kräfte reichen kaum noch zu hinhaltender Defensive gegenüber den an Kräften gewinnenden französischen, englischen und amerikanischen Gegnern an der Front. Heinrich Christoph Otto Steinke überlebt die "Schlacht bei Monchy-Bapaume" Ende August/Anfang September 1918 und die darauf folgenden schweren Abwehrkämpfe vor der deutsche "Siegfriedstellung". Dann wird die 111.Infanterie- Division mit dem Infanterie-Regiment Nr.76 an die Front bei Lens verlegt und steht dort bis Mitte Oktober 1918 in zähen, verlustreichen Abwehrkämpfen. In dieser Zeit wird Heinrich Christoph Otto Steinke, 37 Jahre alt, als Ältester seiner Kompagnie von der kämpfenden Truppe zur Feldküche der 2.Kompagnie des Infanterie-Regimentes Nr.76 kommandiert: Er wird Fahrer des bespannten Küchenwagens der Kompagnie.

Ende des Krieges.

Als Fahrer des Küchenwagens der 2.Kompagnie des Infanterie-Regimentes Nr.76 erlebt Heinrich Christoph Otto Steinke die Rückzugskämpfe des deutschen Heeres in den folgenden Wochen - bis am 11.November 1918 die Kriegsgegner den Waffenstillstand unterzeichnen, der die Kämpfe des 1.Weltkrieges beendet. Das Deutsche Kaiserreich und seine Verbündeten haben den Krieg verloren. Die Waffenstillstandsbedingungen der siegreichen Kriegsgegner auferlegen dem Deutschen Reich, mit seinem Heer das Gebiet von Frankreich, Belgien, Luxemburg und auch die deutschen Reichslande Elsass-Lothringen innerhalb von 15 Tagen zu verlassen oder es droht Gefangenschaft für die deutschen Soldaten. Den Resten des Infanterie-Regimentes Nr.76 mit Heinrich Christoph Otto Steinke gelingt es, rechtzeitig bei Köln den Rhein zu überqueren und das Gebiet des Deutschen Reiches zu erreichen. Wenige Tage später marschieren hier französische Besatzungstruppen ein. In beschwerlichem Marsch gelangt das Infanterie-Regiment "Hamburg" (2.Hanseatisches) Nr.76 über die Eifel und über Altena nach Altengeseke im Kreis Soest/Nordrhein-Westfalen. Hier werden alle Soldaten aus dem Regiment entlassen, die nicht im Standort Hamburg des Regimentes beheimatet sind. Heinrich Christoph Otto Steinke fährt mit der Eisenbahn nach Hannover und weiter nach Soltau, wo er ein ausgiebiges Bad nimmt, "um die Läuse los zu werden". Dann ist er wieder Zuhause, bei seiner Familie, in Schwalingen, auf seinem Hof. Er hat den Krieg überlebt. Otto Steinke hat eine “Lebensbeschreibung” verfasst. Sie ist erhalten geblieben und überliefert sein Schicksal im 1.Weltkrieg. "Durch Not und Tod hindurch gekommen zu sein, war doch wirklich eine Fügung Gottes. Anders ist es ja gar nicht zu fassen." (Otto Steinke, nach seiner Heimkehr im Dezember 1918)
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Das Denkmal

im Heidedorf Schwalingen

HeinrichChristoph Otto Steinke * 24.Juni 1881    † 10.Oktober 1978       Neubauer “Steinke”, Schwalingen No.33 
Die Neubauerstelle “Steinke” zu Schwalingen No.33.
111.Infanterie-Division im Frühjahr-Sommer 1918 bei Bapaume
zum Teil 1 zum Teil 2 Teil 3 zum Teil 1 zum Teil 2 Teil 3 111.Infanterie-Division  Ende August 1918 (oben) und Ende Sept.  bis Mitte Okt.1918 (links)
Otto Steinke Ende der 1920er Jahre auf seiner Neubauerstelle zu Schwalingen No.33
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